Wie kommt man als Innovationsberaterin für globale B2C Marken zu einem Startup, das den Markt für Luftfracht digitalisiert? Laura Weritz hat 2016/2017 den Executive Master in Digital Innovation and Entrepreneurial Leadership (EMDIEL) an der ESCP Europe studiert – und ist in diesem Zuge von ihrem Job in der Beratung in ein junges Startup gewechselt. Heute ist cargo.one etwa ein Jahr am Markt, bis Ende Dezember will sich das 16-köpfige Team verdoppeln. Dafür suchen sie nach ambitionierten Leuten, die Lust haben in der Logistikbranche etwas zu bewegen.

Wie gelingt Transformation?

Laura gehört zu den Pionierinnen des Executive Master in Digital Innovation and Entrepreneurial Leadership (EMDIEL), einem berufsbegleitenden Masterstudium, das Führungskräfte in 5 Modulen in Berlin, Shanghai, Paris, London und San Francisco auf die Herausforderungen von morgen vorbereitet. 2016 begann der erste Jahrgang des Studiengangs das Abenteuer. Zuvor arbeitete Laura bereits vier Jahre im Bereich Markenberatung, wollte sich aber bei den Themen Transformations- und Innovationsmanagement besser aufstellen. In ihrem Job wurde sie immer wieder damit konfrontiert, wie schwer Unternehmen sich mit Transformationsprozessen tun und wie viele von ihnen scheitern.

„Ich wollte ursprünglich einen klassischen MBA machen, habe mich aber dann für den EMDIEL entschieden, da die Themen Innovationsfähigkeit und Digitalisierung von Unternehmen in meinem beruflichen Alltag große Relevanz hatten. Der klassische Management-Stil ist in einer Welt, die sich immer schneller verändert und große Ungewissheit mit sich bringt, nicht mehr zeitgemäß und ausreichend, um Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu führen. Ich wollte weitere Techniken lernen, die mir helfen Unternehmen in puncto Transformation und Innovation ganzheitlicher zu beraten und gleichzeitig verstärkt mit Startups zusammenarbeiten“, erzählt sie im Büro von cargo.one in Berlin-Mitte. Sie stellte sich die Frage, wie sie Unternehmen dabei unterstützen kann ihre Transformationsprozesse wirksamer zu gestalten und echte Innovation schneller umzusetzen.

Weltkarte im Büro von cargo.one für die ESCP

Faszination Startup

Im Rahmen des Programms hatte Laura viele Berührungspunkte mit der Startup-Welt, die sie immer mehr faszinierte. Außerdem war sie auch nach dem Abschluss in regem Austausch mit ihrem EMDIEL-Kollegen Oliver T. Neumann, der bereits vor dem Master mehrfach gegründet hatte und auf der Suche nach neuen Ideen war. Laura fühlte sich hin- und hergerissen. Sie war sehr glücklich in ihrem Beratungsjob und hatte tolle Kunden, mit denen sie Skills aus dem Studium, wie Google Design-Sprints, anwenden konnte.

Der Wunsch, Projekte selbst anzupacken, ging ihr allerdings nicht aus dem Kopf: „Nach fünf Jahren Beratung, in denen ich vornehmlich strategisch gearbeitet habe, habe ich gemerkt, dass es mich immer mehr reizte, die Dinge auch selber auf die Straße zu bringen.“ Doch als Oliver sie fragte, ob sie nicht in seinem neuen Startup anfangen wolle, war sie unsicher: „Das war nicht der Karriereweg, den ich bis dahin vor Augen hatte. Ich hatte mit der Logistikbranche bisher keinerlei Berührungspunkte gehabt.“

Ins kalte Wasser

Schließlich wagte sie den Sprung, wenn auch zunächst in Teilzeit – einen Monat nachdem das Produkt auf dem Markt und das Team noch ganz klein war. Ließen sich der alte und neue Job miteinander vereinbaren? „Beide Jobs haben meine volle Aufmerksamkeit gefordert und verdient. Ich musste mich also entscheiden und dachte mir, wenn nicht jetzt, wann dann? Entscheidend für mich war damals, dass ich an die Idee und vor allen Dingen zu 100% an das Team glaubte. Gemeinsam das Team weiter aufzubauen, die Idee zum Leben zu erwecken und in diesem Umfeld dazuzulernen, hat mich überzeugt diesen Schritt zu gehen.“

Laura kündigte ihren Job bei der Beratung, stieg voll bei cargo.one ein und kümmert sich seitdem schwerpunktmäßig um Markenstrategie, Marketing und Public Relations. „Eine Marke aus dem Nichts aufbauen zu können ist eine tolle Chance. Darüber hinaus unser Team wachsen zu sehen und den Zusammenhalt zu erfahren, den eine starke gemeinsame Vision schafft, ist eine einmalige Erfahrung“, reflektiert sie ihre Entscheidung. „Es ist natürlich eine große Herausforderung, aber das ist ja genau der Grund, warum ich mir diesen Weg ausgesucht habe.“

Post-Its im Büro von cargo.one in Berlin

Die EMDIEL-Mentalität

Bei der Frage, ob der EMDIEL sie auf die Arbeit in einem Startup vorbereitet hat, überlegt sie kurz. „Die Effectuation Principles, wie Mittelorientierung statt Zielorientierung oder Umstände und Zufälle nutzen statt sie zu vermeiden, sind allgegenwärtig in unserem Startup-Alltag. Im EMDIEL sind sicherlich viele Methoden mit dabei gewesen, die jetzt zu meinem tagtäglichen Agieren hier gehören.“ Darüber hinaus hat sie das Prinzip ‚absoluter Kundenfokus‘ verinnerlicht und so unter anderem das Projekt Co-Working at cargo.one ins Leben gerufen. Spediteure arbeiten dadurch für ein bis zwei Wochen bei ihnen im Büro, damit das Team alle Arbeitsschritte genau verstehen, Bedürfnisse identifizieren und das beste Produkt entwickeln kann.

Zukünftigen EMDIEL-Studierenden würde Laura raten, sich auf das Experiment einzulassen und möglichst viele Kontakte aufzubauen: „Das Wertvollste ist, das eigene Netzwerk aufzubauen und offen zu sein für die Module, die jenseits des klassischen Management-Programms liegen.“ Sie selbst ist durch das Programm mutiger geworden: „Die zahlreichen Kontaktpunkte und Diskussionen mit Gründern und Investoren haben sicherlich etwas in mir ausgelöst. Ich liebe es Dinge einfach auszuprobieren! Viele Erlebnisse während des EMDIEL waren sehr inspirierend und haben mich noch darin bestärkt, den Sprung von einem sicheren Job in der Beratung in ein neues Startup zu wagen.“

cargo.one ist ein Marktplatz für Luftfrachtkapazitäten, der Airlines mit Spediteuren verbindet und den gesamten Buchungsprozess digitalisiert. Das internationale Team will Airfreight transformieren und in einem tradierten Markt mit einer guten Geschäftsidee einen Unterschied machen. Dabei sehen sie sich nicht als Disruptoren der Industrie, sondern arbeiten mit Airlines und Spediteuren auf Augenhöhe zusammen, um die Digitalisierung voranzutreiben. cargo.one wächst stark und sucht nach ambitionierten Leuten, die diese Vision und die tolle Teamkultur vorantreiben möchten.